Nachwuchswissenschaftlerpreis des Beutenberg Campus 2026 an Cheng Gong verliehen
Exzellente Forschung wird am Beutenberg Jena gefördert und prämiert
Am 20. Mai 2026 wurden auf dem Beutenberg Campus in Jena die Wissenschaftspreise des Beutenberg-Campus Jena e.V. verliehen. Ausgezeichnet wurden in diesem Jahr Arbeiten über selektives Signalverhalten G-Protein-gekoppelter Rezeptoren, über Einflüsse anthropogener Stickstoffverbindungen auf das globale Klima und über eine erheblich schnellere Erkennung mikrobieller Antibiotikaresistenzen.
Einmal jährlich werden die besten Wissenschaftler:innen am Beutenberg mit den Wissenschaftspreisen "Lebenswissenschaft und Physik" des Beutenberg-Campus Jena e.V. in drei Kategorien ausgezeichnet. In diesem Jahr ging der Dissertationspreis an Edda Matthees vom Institut für Molekulare Zellbiologie am UKJ. Cheng Gong vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie wurde mit dem Nachwuchswissenschaftspreis prämiert. Stellvertretend für ihr Team nahmen Anne-Sophie Munser vom Fraunhofer-IOF, Marc Thilo Figge und Miriam Agler-Rosenbaum vom Leibniz-HKI sowie Elke Müller vom Leibniz-IPHT den Preis für die exzellente interdisziplinäre Kooperation entgegen.
In ihrer Arbeit beschäftigte Edda Matthees sich mit einer methodischen Fragestellung zur Signaltransduktion von G-Protein-gekoppelten Rezeptoren, speziell mit dem Mechanismus eines selektiven Signalverhaltens, dem sogenannten „biased signaling“. Diese Fragestellung ist von hoher klinischer Relevanz, da mehr als 30 Prozent aller eingesetzten Medikamente über solche Rezeptoren ihre Wirkung erzielen, aber bei falschen Signalwegen auch unerwünschte Wirkungen entfalten können. Die Doktorarbeit von Matthees zeigt, dass zwei bislang als unabhängig angesehene Signalwege über die sogenannten G-Protein-gekoppelten Rezeptorkinasen (GRKs) untrennbar miteinander verwoben sind. Gleichzeitig wurde ein Konzept entworfen, das zeigt, welche Experimente folgerichtig gemacht werden müssen, um das Potenzial eines Rezeptors für „biased signaling“ frühzeitig in der Medikamentenentwicklung zu erkennen.
Cheng Gong erforschte, wie anthropogene Stickstoffverbindungen die Kohlenstoff- und Stickstoffkreisläufe und damit das globale Klima verändert haben. Stickstoff wird seit Beginn des 20. Jahrhunderts industriell hergestellt und als Düngemittel ausgebracht. Durch Überdüngung und Verbrennungsprozesse gelangt er in die Umwelt, was zu Eutrophierung, Bodenversauerung sowie Gesundheits- und Klimabelastungen führt. So entweicht etwa Distickstoffmonoxid, N2O oder Lachgas genannt, aus gedüngten Böden; es ist ein fast 300-mal stärkeres Treibhausgas als CO2 und deutlich langlebiger. Gong errechnete erstmals im globalen Maßstab die Gesamtwirkung anthropogener Stickstoffverbindungen: Während Lachgas die Atmosphäre erwärmt, wirken andere Stickstoffverbindungen durch die Bildung von Aerosolen und die Stimulation des Pflanzenwachstums kühlend. In Summe fand Gong heraus, dass trotz der weitreichenden negativen Umweltwirkungen anthropogener Stickstoffverbindungen die kühlenden Effekte auf das Klima leicht überwiegen.
Martina Graf kombinierte mit einem interdisziplinären Team aus Wissenschaftler:innen des Leibniz-HKI, des Fraunhofer-IOF und des Leibniz-IPHT auf innovative Weise Expertisen aus Mikrobiologie, Biotechnologie, Photonik und Bioinformatik, um eine neuartige Hochdurchsatz-Plattform zu entwickeln, die eine schnelle und sichere Entdeckung von Antibiotikaresistenzen bei Mikroorganismen erlaubt. Herkömmliche Methoden zur Antibiotika-Empfindlichkeitsprüfung (AST) basieren auf der Kultivierung von Bakterien in Gegenwart von Antibiotika. Diese Methoden sind zwar zuverlässig, dauern jedoch in der Regel 8 bis 20 Stunden. Für die Patient:innen kann diese Wartezeit zu einer unangemessenen (klinischen) Behandlung und einer erhöhten Sterblichkeitsrate führen. Die neu entwickelte Hochdurchsatz-Plattform ermöglicht eine Diagnose von Resistenzen innerhalb von 1 bis 2 Stunden und birgt somit ein großes Potenzial für den Einsatz in der Klinik, um schnell und zielgerichtet geeignete Antibiotika zur Behandlung von Patient:innen auszuwählen.
Gemeinsame Pressemitteilung vom Beutenberg-Campus Jena e.V., Leibniz-HKI, MPI für Biogeochemie und Zentrum für Molekulare Biomedizin (CMB)












